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Geheimnisvolle Jäger: Schleiereulen

Auf ihren weizenfarb'nen Flügeln

Mit ihrer ernsten weißen Stirn

huscht wie ein Geist sie

durchs Giebelloch in die Scheune

 

(aus Evening von John Clare 1793-1864)

Der Vollmond steht groß über unserer Scheune. Es ist Anfang Oktober und der Herbst hat Einzug gehalten. Abends bilden sich bereits dichte Nebelschwaden auf Wiesen und Feldern. Gerade versorge ich die Pferde, als ich den unverwechselbaren Schrei der Schleiereulen höre. Ich beobachte, wie die geheimnisvollen Jäger aus dem Giebelloch in die Dunkelheit fliegen. Ein Hauch von Magie liegt in der Luft. Fast möchte ich an Hexen, Zauberer und andere Märchenwesen glauben.

 

Tatsächlich hat die Schleiereule den Aberglauben der Menschen schon immer beflügelt. In früheren Zeiten galten die Tiere als Botschafter des Todes. Wahrscheinlich verdanken sie diesen unheilvollen Ruf der Tatsache, dass sie nur im Dunkel der Nacht aktiv sind und ihr markanter Schrei so manchem Menschen einen Schauer über den Rücken jagte.

Wunderschön - und leider bedroht

Dunkle Augen, ein herzförmiges weißes Gesicht: Die Turm- oder Herzeulen, wie sie im Volksmund auch genannt werden, sind nicht nur schön anzusehen, sondern spielen auch eine wichtige Rolle im Ökosystem. Als nachtaktiver Greifvogel ernährt sich die Schleiereule überwiegend von Mäusen und sonstigen kleinen Nagetieren (bis zu 95% ihrer Beute bestehen aus Feldmäusen). So hilft Sie dabei die Nagerpopulationen zu regulieren und sorgt damit für ein Gleichgewicht. Deshalb war sie auch bei Landwirten in früheren Zeiten als Mäusefängerin sehr beliebt. Fast jede Scheune hatte ein sogenanntes "Uhlen"- oder Eulenloch.(Quellen: LBV, Eulenwelt)

 

Heute gehört die Schleiereule leider zu den bedrohten Arten. Denn nur noch selten finden die Tiere einen geeigneten Brutplatz sowie ausreichend Nahrung für sich und ihren Nachwuchs. Verantwortlich ist zum einen die intensive Landwirtschaft, durch Ausbringung von Pestiziden, Monokulturen wie z. B. Mais, Flurbereinigung etc. Zum anderen gibt es kaum noch geeignete Gebäude als Brutplätze für die Tiere, da bei einer Modernisierung meist die Einfluglöcher geschlossen werden.

 

Eine schlimme Entwicklung, denn für die ortstreuen und ganzjährig anwesenden Schleiereulen sind Ställe, Scheunen und Kirchtürme nicht nur Brutplatz, sondern auch wichtige Tages- und Wintereinstände. Hier dösen sie tagsüber und können bei Schnee und Frost auch die ein oder andere Maus erjagen. Das kann den seltenen Tieren in harten Wintern das Leben retten, denn die Eulen verhungern schnell. (Quelle: NABU)

 

Übrigens: In der freien Natur kann die Schleiereule grundsätzlich ein Alter von gut 20 Jahren erreichen.

Schleiereulen auf Hof Eulengrund

Auch auf Hof Eulengrund wohnt ein Paar Schleiereulen. Die seltenen Tiere ziehen auf dem Scheunenboden jedes Jahr ihren Nachwuchs auf. In 2018 haben die Eulen beispielsweise 6 Jungeulen großgezogen. Bei der Beringung der Jungtiere durfte ich dieses Jahr sogar dabei sein – ein unglaubliches Erlebnis.

Schleiereulen
Eine junge Schleiereule wird beringt. Bild: Alexandra Lill

Mithelfen: Ein Platz für Schleiereulen

Weißt du, wieviel Schleiereulen es in deiner Region noch gibt? Hast du vielleicht selbst eine Scheune, wo die nachtaktiven Tiere einen geeigneten Brutplatz finden würden? Dann biete den Eulen doch ein Zuhause.

 

Wie du selbst einen Kasten anbringen kannst und was du dabei beachten musst, erfährst du hier

Was du noch tun kannst

Erhalte unbedingt alte Bäume und heimische hohe Sträucher in der Nähe von Brutplätzen, z. B. Eberesche, Weißdorn, Schlehe, Haselnuss etc. Pflanze außerdem Streuobstwiesen und Hecken, die den unerfahrenen Jungeulen Verstecke bieten.

 

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