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Es geht nicht nur um uns: Was ich auf Hof Eulengrund übers Leben gelernt habe.

1. Verbundenheit mit allem Leben

Vor gut 10 Jahren habe ich mir den Traum vom eigenen kleinen Hof erfüllt - vom idyllischen Leben auf dem Land zusammen mit meinen Pferden. Die Nähe zur Natur und den Tieren hat meine Sicht auf die Dinge auf jeden Fall sehr verändert. Vieles nehme ich heute ganz anders wahr. Eines meiner wichtigsten Erkenntnisse: tiefe Verbundenheit mit allem Leben. Schließlich sind wir Menschen auch "nur" ein Teil des Ganzen und können ohne die Unterstützung anderer Lebewesen überhaupt nicht existieren.

 

Wie sagte schon Albert Schweitzer: "Mit allem, was lebt, sind wir durch Wesensverwandtschaft und Schicksalsgemeinschaft verbunden".

Ehrfurcht vor dem Leben
Jedes Leben ist gleichermaßen wertvoll. Bild: Alexas Fotos, Pixabay

2. Nicht gegen die Natur kämpfen

Die Erfahrung hat mich eines ganz besonders gelehrt: Alles wird viel leichter und harmonischer, wenn wir nicht gegen die Natur und andere Lebewesen kämpfen, sondern beobachten, lernen und vertrauen. Es geht nämlich nicht darum, als Mensch alles zu bestimmen und zu kontrollieren.

 

Jede Pflanze, jedes noch so kleine Insekt, erfüllt eine wichtige Aufgabe im Ökosystem. Und viele Zusammenhänge verstehen wir Menschen (noch) gar nicht. Deshalb sollten wir so wenig wie möglich eingreifen und das Gleichgewicht stören – schon gar nicht mit Giften, chemischen Düngern, genetisch verändertem Saatgut etc.

 

Was uns immer bewusst sein sollte: Uns Menschen braucht die Natur am allerwenigsten. Die Erde mit allen ihren Bewohnern käme sehr gut ohne uns gut zurecht – genau gesagt, sie käme in vieler Hinsicht BESSER ohne uns zurecht. Wenn das nicht Grund für ein bisschen mehr Ehrfurcht ist. Wir sollten große Achtung vor jedem noch so kleinen Lebewesen haben, das einen Beitrag dazu leistet, unseren Planeten lebenswert zu machen.

3. Einfach vertrauen und loslassen

Wie gut es tut, einfach mal loszulassen und in friedlicher Koexistenz zu leben, habe ich auf Hof Eulengrund schon oft erfahren dürfen. Ein Beispiel: Auf unserer Weide bauen Erdwespen jeden Sommer ihre Nester. Die Tiere gelten ja allgemein als aggressiv und gefährlich, aber ich erlebe es ganz anders. Denn wir lassen die Wespen einfach in Ruhe dort leben, freuen uns sogar über ihre Anwesenheit. Tatsächlich bin ich in all den Jahren noch nie angegriffen bzw. gestochen worden, obwohl ich mich täglich in unmittelbarer Nähe der Nester aufhalte. Und auch die Pferde können völlig unbehelligt neben den Wespennestern grasen. Die kleinen Insekten wissen, dass wir sie respektieren und keine Gefahr von uns droht. Davon bin ich überzeugt.

 

Es kommt auf unsere innere Einstellung an, wie wir der Natur und allem Leben begegnen wollen. Lassen wir doch öfter mal den Dingen ihren natürlichen Lauf und nehmen uns selbst ein wenig zurück.

4. Alle haben das gleiche Recht auf Leben

Wir Menschen halten uns für die Krone der Schöpfung - erachten unser Leben sogar als wertvoller im Vergleich zu anderen Spezies. Das ist allerdings eine sehr kurzsichtige und subjektive Sichtweise. Objektiv betrachtet, haben alle das gleiche Recht zu leben - egal ob Käfer, Regenwurm, Wolf, Maus oder Mensch. 

 

Wir müssen endlich erkennen, dass unser Planet nur eine Zukunft hat, wenn wir alles Leben gleichermaßen respektieren und achten. Dazu gehört auch, das eigene Interesse NICHT über das anderer Lebewesen zu stellen. Zum Beispiel, indem wir dem Wahnsinn der Massentierhaltung endlich ein Ende setzen und auf Fleisch verzichten.

 

Halten wir uns doch an die Worte von Albert Schweitzer: "Dem Menschen, der zur Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben gelangt ist, ist jedes Leben als solches heilig. Er hat Scheu davor, ein Insekt zu töten, eine Blume abzureißen. Den Wurm, der auf der Straße verschmachtet, errettet er, indem er ihn ins Gras legt."

 

Denn es geht eben nicht nur um uns Menschen!

 

Wie seht ihr das? Schreibt es mir gerne in den Kommentaren.

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Kommentare: 4
  • #1

    Christine (Freitag, 14 Juni 2019 06:25)

    Oh wie wahr! Und sehr schön geschrieben <3
    Mit Blattläusen bin ich immer sehr hin- und hergerissen, wem ich einen Gefallen tue: mir, der Pflanze oder den Läusen und damit vielleicht den Insekten und Vögeln?

  • #2

    Alexandra (Freitag, 14 Juni 2019 19:21)

    Liebe Christine,

    vielen Dank für dein liebes Feedback. Wir haben dieses Jahr auch sehr viele Blattläuse - aber unternehmen gar nichts. Und jetzt hat sich ja auch die Marienkäferbande eingefunden :-). Ich denke, dass jedes Eingreifen von uns Menschen einfach unwiederbringlich das Gleichgewicht stört bzw. verhindert, dass sich überhaupt ein Gleichgewicht einstellt. Deshalb versuche ich das alles gelassen zu sehen :-). Und die Vögel freuen sich ja auch über Insekten...

    Liebe Grüße,
    Alexandra, Hof Eulengrund

  • #3

    Christine (Freitag, 14 Juni 2019 19:37)

    Liebe Alexandra,
    wegen des Gleichgewichts versuche ich auch, jedes kleine Insektchen leben zu lassen, aber manchmal sind die Finger schneller als der Kopf. Und an sich zeigen Blattläuse ja auch bereits ein Ungleichgewicht an (meist zu viel Feuchtigkeit in der Erde, meine ich).
    Aber ich übe mich in Achtsamkeit :)

  • #4

    Alexandra (Samstag, 15 Juni 2019 10:57)

    Liebe Christine,

    das stimmt :-). Manchmal fällt es mir auch schwer, nicht einzugreifen. Besonders, wenn akut etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Und es gibt sicher auch Fälle - da ist es angebracht mit natürlichen Methoden zu unterstützen. Ich mache es genau wie du und versuche, mich immer mehr in Achtsamkeit zu üben :-)

    Liebe Grüße,
    Alexandra