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Haben wir verlernt, achtsam zu sprechen?

Schweigen ist Gold...

Bewusst sprechen, anderen zuhören und einfach auch mal schweigen - mir kommt es so vor, als ob das heute nicht mehr wirklich in Mode ist. Es wird kommuniziert nach der Devise: Je mehr und je lauter, desto besser. Dabei wäre es sehr wünschenswert, etwas minimalistischer mit Worten umzugehen. Getreu dem Motto "Reden ist Silber – Schweigen ist Gold"

 

Und nicht nur die Art und Weise unserer Kommunikation, sondern auch die Inhalte sind oft wenig wertschätzend, achtsam oder freundlich. Daran hat Social Media sicherlich einen wesentlichen Anteil. Schließlich kann hier jeder nach Lust und Laune beleidigen, pöbeln und seine persönliche Meinung kundtun - sogar ohne dabei seine wahre Identität preiszugeben.

 

Müssen wir wieder lernen, achtsamer zu sprechen und anderen zuzuhören?

 

Ich denke schon.

Achtsame Sprache, Achtsamkeit, achtsam sprechen
Der Buddhismus lehrt uns Achtsamkeit - auch bei der Sprache. Bild: Sasin Tipchai, Pixabay

Worte sind wie Nahrung - sie können uns stärken oder auch schwächen.

Die Welt wäre definitiv ein besserer Ort, würden wir uns alle an das Zitat von Rumi halten:

Bevor du sprichst, lasse deine Worte durch drei Tore schreiten.

Beim ersten Tor frage: "Sind sie wahr?"

Am zweiten frage: "Sind sie notwendig?"

Am dritten Tor frage: "Sind sie freundlich?"

 

Wie sehr Worte verletzen können, hat bestimmt jeder schon einmal erlebt. Alles, was wir sagen, hat großen Einfluss auf uns selbst und andere. Es ist wie bei guter und schlechter Nahrung, die uns kräftigt oder eben schwächt. Und doch machen wir uns oft zu wenig Gedanken, was wir mit unachtsamer Sprache anrichten können. Umso wichtiger, dass wir uns wieder mehr bewusst machen, wie und was wir reden.

 

Geht es uns zum Beispiel nur darum, uns wichtig zu machen oder andere zu kritisieren - dann sollten wir lieber den Mund halten. Denn wir verstärken damit nur Gewalt und Ärger in der Welt und damit auch in unserem Leben. Wenn wir dagegen auf eine Art und Weise sprechen, die freundlich, wertschätzend und konstruktiv ist, dann nähren wir Frieden und Verständnis. Dazu gehört auch, uns selbst nicht immer in den Mittelpunkt zu stellen, sondern auch mal einen Schritt zurückzutreten und anderen achtsam zuzuhören.

 

Genauso wichtig ist es, dass wir uns selbst vor Menschen schützen, die uns mit ihren negativen Worten vergiften. Die nur ihre Meinung durchsetzen, lästern oder andere runterzuziehen wollen.

Wie wir wieder lernen, achtsam zu sprechen

  • Erst innehalten und nachdenken - dann sprechen: Ob in der Arbeit oder unter Freunden - allzu oft reden wir, bevor wir nachgedacht haben. Die Worte rutschen uns einfach heraus und wir merken zu spät, dass wir jemanden damit vor den Kopf gestoßen oder sogar tief verletzt haben. Wie können wir das ändern? Indem wir uns bewusst darin üben, vor dem Sprechen einen Moment innezuhalten und uns erst einmal darüber klar zu werden, was wir in dieser Situation sagen möchten. Und in welchen Worten. Dann erst öffnen wir den Mund. Das erfordert ein wenig Disziplin, kann aber eine Menge Missverständnisse und Leid verhindern. Vielleicht hilft es auch, sich dabei an das Zitat von RUMI über achtsame Sprache zu erinnern und sich zu fragen, ob die Worte wahr, notwendig und freundlich sind.

  • Zuhören lernen: Wie oft hören wir anderen wirklich mit voller Aufmerksamkeit zu? Und zwar ohne gleich darüber nachzudenken, was wir selbst zum Thema beitragen können. Die meisten Menschen sind in ihren Gedanken fast nur mit sich selbst beschäftigt und überlegen, was sie Schlaues erzählen oder wie sie einfach ihre Meinung kundtun können. Dabei ist gerade das Zuhören so wichtig für ein gutes Miteinander. Nehmen wir uns doch einfach öfter zurück und konzentrieren uns ganz auf die Worte unseres Gegenübers. Das ist praktizierte Achtsamkeit.

  • Lästereien und Tratsch vermeiden: Fast überall ist es an der Tagesordnung - Klatsch und Tratsch über Kollegen, Nachbarn, Familienmitglieder. Aber so harmlos, wie wir vielleicht denken, ist es gar nicht. Denn Lästereien und üble Nachrede können uns selbst und den Betroffenen sehr schaden und tiefe Verletzungen hinterlassen. Wirken wir dem entgegen, indem wir uns konsequent von Lästerrunden fernhalten und bewusst wertschätzend und freundlich über andere Menschen sprechen. Das gilt übrigens auch für unsere Kommunikation in den sozialen Medien.

  • Öfter mal Danke sagen: Wenn uns etwas nicht gefällt, wir unzufrieden sind oder wir uns über unsere Mitmenschen aufregen, dann sprechen wir sofort darüber. Viel seltener kommt über unsere Lippen, wofür wir dankbar sind. Reden wir doch wieder mehr über die Dinge, die gut laufen und über die wir uns freuen. Geben wir anderen Menschen öfter mal ein positives Feedback und zeigen unsere Wertschätzung. Und je mehr Dankbarkeit wir empfinden und ausdrücken – desto glücklicher sind wir.

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Kommentare: 6
  • #1

    Christof (Freitag, 31 Mai 2019 10:06)

    Hallo Alexandra,

    ein sehr schöner und wichtiger Artikel. Auch in unserer Kommunikation sollten wir wieder lernen, dass Qualität vor Quantität geht. Harry Rowohlt hat mal empfohlen: "Sagen, was man denkt. Und vorher was gedacht haben."

    Viele liebe Grüße

    Christof

  • #2

    Alexandra (Freitag, 31 Mai 2019 14:40)

    Lieber Christof,

    herzlichen Dank für dein positives Feedback und das weise Zitat von Herrn Rowohlt - das bringt es genau auf den Punkt. Leider wird der Ratschlag heutzutage viel zu wenig beherzigt. Auch ich muss mich selbst immer wieder ermahnen :-). Aber sich darüber bewusst zu werden, ist schon der erste Schritt.

    Viele Grüße,
    Alexandra von Hof Eulengrund

  • #3

    heidi (Sonntag, 16 Juni 2019 10:21)

    ... und der sonntag hat mit einem herzlichen lachen begonnen ...

    dafür bedanke ich mich sehr bei dir alexandra ☺ was für ein tolles geschriebener artikel

    die drei fragen von rumi sollten sich auch viele auf den social medien känalen zu herzen nehmen

    das mit dem danken ist für mich eines der wichtigsten dinge die ich (58 jahre) meinem kleinen freund (7 jahre) mit auf seinen lebensweg gebe. seit ich ihm empfohlen habe z. bsp. die gesichter seines gegenüber nach einem danke genau anzuschauen; macht er es sogar noch öfters.

    es liegt an uns die welt jeden tag ein wenig positiver / respektvoller zu gestalten

    beste grüße heidi



  • #4

    Alexandra (Sonntag, 16 Juni 2019 12:32)

    Liebe Heidi,

    vielen lieben Dank für deinen Kommentar und dein Lob. Ich finde es ganz toll, dass du deinem kleinen Freund besonders das Danken mit auf den Weg gibst. Ich glaube auch, dass Dankbarkeit ein Schlüssel zu einem glücklichen Leben ist. Und positive Veränderung fängt ja bei jedem Einzelnen von uns an.

    Liebe Grüße,
    Alexandra, Hof Eulengrund

  • #5

    Anja (Dienstag, 16 Juli 2019 22:00)

    Liebe Alexandra,

    vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel und deine Gedankenanstöße. Wirklich gute Tipps und auch das Zitat von Rumi wird mir ab jetzt im Gedächtnis bleiben.

    Schöne Grüße

    Anja

  • #6

    Alexandra (Mittwoch, 17 Juli 2019 19:43)

    Liebe Anja,

    vielen Dank, das freut mich sehr. Ich versuche auch, mich beim Sprechen an den Satz von Rumi zu halten - was mir nicht immer, aber immer öfter gelingt :-)

    Liebe Grüße,
    Alexandra, Hof Eulengrund