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Heute schon einen Baum umarmt?

Bäume tun uns gut.

Nicht weit von unserem Hof stehen sieben Linden, die alle mehr als 300 Jahre alt sind. Von den mächtigen alten Bäumen geht eine ganz besondere Energie aus. Wenn ich mich dort hinsetze und an einen der riesigen Stämme lehne, fühle ich mich sofort gut - als ob etwas von der Kraft der Bäume auf mich übergeht. Es ist ein perfekter Ort, um einfach nur den Moment zu genießen.

 

Tatsächlich haben Bäume eine messbar positive Wirkung auf Körper und Psyche. Ein Spaziergang im Wald stärkt zum Beispiel unser Immunsystem, schützt vor Herzinfarkt, hilft bei Depressionen sowie bei Stress und Burnout. Das ist absolut kein Hokus Pokus, sondern wurde schon in vielen wissenschaftlichen Studien belegt.

Von Bäumen können wir viel übers Leben lernen.

Wer mit offenen Sinnen durch den Wald geht, der erkennt in den Bäumen wundervolle Lehrmeister. So herrscht im natürlichen Wald zum Beispiel ein intakter Kreislauf des Lebens (sofern der Mensch ihn nicht zerstört). Alles hat seinen Platz und Sinn. Nichts wird vergeudet.

Bäume lehren uns Geduld und Gelassenheit.

Wir Menschen wollen immer, dass alles schnell passiert. Ein Ziel wird anvisiert und das Ergebnis soll am besten sofort zu sehen sein. Geduld und Gelassenheit sind heutzutage nicht besonders gefragt. Aber die Erfahrung zeigt, dass Dinge, die zu schnell passieren, oft auch nicht lange Bestand haben. Wir alle kennen ja das Sprichwort: Was lange währt...

 

Bäume sind da ganz anders als wir Menschen. Sie nehmen sich unendlich viel Zeit für alles. Von ihnen können wir Geduld und Gelassenheit lernen. Junge Bäumchen, die im Schatten ihrer Mutterbäume stehen, wachsen oft nur wenige Millimeter innerhalb von Jahrzehnten. Warum auch beeilen? Die Kleinen warten gelassen ab, bis ihre Zeit gekommen ist.

 

Wie der bekannte Förster und Autor Peter Wohlleben es festgestellt hat: Schnelles Wachstum ist im Wald immer negativ. Langsames Wachstum dagegen ist nachweislich eine Bedingung für ein langes Leben.

 

Überhaupt laufen natürliche Prozesse meist sehr langsam ab. Nur der Mensch ist ungeduldig und hetzt durchs Leben. Die Folgen kennen wir alle - von Herzinfarkt bis Burnout.

Sieben Linden bei Markt Berolzheim
Alte Bäume haben eine besondere Energie. Bild: Alexandra Lill

Bäume lehren uns Verbundenheit und Fürsorge

Bäume sind soziale Wesen, die sich gegenseitig unterstützen. Denn sie wissen, dass man in der Gemeinschaft stärker ist. Gerät zum Beispiel ein Nachbarbaum in Not, weil er erkrankt oder nicht genügend Nährstoffe zum Überleben hat, wird er über die Wurzeln von den anderen Bäumen mit allem Nötigen versorgt. Er wird am Leben erhalten, bis er sich erholt hat.

 

Wir Menschen dagegen vergessen allzu oft, dass wir alle aufeinander angewiesen sind. Konkurrenzdenken ist vor allem im Beruf an der Tagesordnung. Vielleicht können wir hier von den Bäumen lernen und uns wieder mehr als Gemeinschaft begreifen. Uns gegenseitig unterstützen, statt auf Kosten anderer weiter kommen zu wollen. Weniger die Ellenbogen ausfahren und mehr für andere da sein.

Bäume lehren uns Stärke

Die Lebenskraft von Bäumen ist beeindruckend. Sie sind fest verwurzelt in der Erde und passen sich doch der Umgebung an. Bleiben flexibel. So schaffen sie es, auch starken Stürmen zu widerstehen oder an den unwirtlichsten Gegenden zu gedeihen.

 

Das ist es, was Stärke ausmacht. Auch bei uns Menschen. Fest verwurzelt zu sein. Seinen Standpunkt zu halten, aber trotzdem (geistig) beweglich zu bleiben. Nicht starr an Bestehendem festzuhalten, sondern offen zu sein für neue Gedanken und Möglichkeiten. Dann kann einen das Leben nicht umhauen.

Übrigens: Bäume pflanzen macht glücklich.

Jedes Jahr pflanzen wir neue Bäume auf Hof Eulengrund. Zugegeben, ich werde es wohl kaum mehr selbst erleben, die Linden, Eichen etc. in voller Pracht zu sehen. Aber ich finde es ermutigend zu wissen, dass hier in Zukunft starke und mächtige Bäume stehen werden, in deren Zweigen Vögel ihre Nester bauen. Die vielen Tieren Nahrung und Unterschlupf bieten werden.

Mein Buchtipp: Peter Wohlleben, das geheime Leben der Bäume

Kommentare: 4
  • #4

    Alexandra (Samstag, 16 März 2019 19:59)

    Lieber Bernhard, das klingt wundervoll. Nur so können wir die alten Sorten erhalten. Ich habe auf der Pferdeweide auch damit angefangen. 3 Apfelbäume und 1 Birnenbaum haben wir schon gepflanzt, aber es folgen noch viele mehr. Viele Grüße, Alexandra von Hof Eulengrund.

  • #3

    Bernhard (Samstag, 16 März 2019 19:07)

    Heute zusammen mit meiner Frau und einem guten Freund 3 Apfelbäume und 3 Birnbäume gepflanzt. Alles alte Sorten von denen es im Landkreis nur noch sehr wenige gibt.

  • #2

    Alexandra (Dienstag, 12 März 2019 17:20)

    Liebe Annette, dankeschön für deinen Kommentar. Es gibt auch für mich kaum etwas Erholsameres als ein paar Stunden im Wald zu verbringen und die klare Luft einzuatmen. Das erdet mich jedes Mal. Liebe Grüße, Alexandra von Hof Eulengrund

  • #1

    Dr. Annette Pitzer (Sonntag, 10 März 2019 13:05)

    Heute bei dem Sturm noch keinen Baum umarmt, aber gestern vor dem mega Sturm waren wir Waldbaden und dabei umarme ich gerne einen der Riesen. Danke für den schönen Blogbeitrag.
    Alles Liebe
    Annette