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Bewusster leben: 7 gute Gründe, keine Nachrichten mehr zu konsumieren

Brauchen wir Nachrichten, um informiert zu sein?

Ich verzichte seit einiger Zeit bewusst auf klassische Nachrichten. Denn sie spiegeln lediglich einen klitzekleinen (meist von Gewalt und Negativität geprägten) Ausschnitt des Weltgeschehens wider. Ein objektives Bild erhalten wir dabei nicht. Viele werden jetzt einwenden, dass man doch informiert sein muss und aktuelle Nachrichten dafür einfach notwendig sind. Aber stimmt das wirklich? Oder sollten wir relevante Informationen nicht lieber bewusst auswählen, statt die von Journalisten und Redakteuren vorgefilterten Meldungen zu konsumieren? Wenn ich zum Beispiel etwas über Klimaschutz und eine nachhaltige Lebensweise erfahren möchte, dann suche ich am besten gezielt nach fundierten Infos zu diesen Themen.

7 gute Gründe, auf klassische Nachrichten zu verzichten

  1. Was wir in den Nachrichten sehen, hören oder lesen, zeigt uns nur einen winzigen Bruchteil des wirklichen Weltgeschehens:

    Dazu muss man wissen, wie Redaktionen ihre Meldungen auswählen. Die norwegischen Friedensforscher Johan Vincent Galtung sowie Mari Holboe Ruge haben die Kriterien der Nachrichtenauswahl im 1965 erschienenen "Journal of Peace Research" näher beschrieben.

    Die beiden Forscher hatten untersucht, aufgrund welcher Merkmale Journalisten und Redakteure entscheiden, was zur Nachricht wird – und was nicht. Das Ergebnis: Der Grad der Betroffenheit und die Auffälligkeit spielen dabei eine große Rolle. Ein Ereignis landet umso eher in den Nachrichten, je mehr persönliche Bestürzung es auslöst - und je mehr Angst, Konflikte, Aggressionen und Tod darin enthalten sind.

    Galtung und Ruge betonen, dass genau diese Auswahlkriterien zu einem verzerrten Weltbild führen, da wir fälschlicherweise den Eindruck erhalten, das Leben bestehe hauptsächlich aus Terroranschlägen, Flugzeugabstürzen etc. Dafür fallen vermeintlich unbedeutende Ereignisse unter den Tisch. Zum Beispiel die Taten von Menschen, die ohne große Publicity einfach Gutes tun. Und je länger die Nachrichtenkette, umso größer ist dieser Verzerrungseffekt.

    Nachrichten bieten uns also keine objektive Information, sondern zeigen uns nur einen subjektiven und gefilterten Ausschnitt. Zu einem bewussten Leben gehört für mich, dass ich selbst entscheide, welche Informationen für mich relevant sind.

  2. Nachrichten prägen ein negatives Denken und verstärken Ängste:

    Dieses Argument geht mit dem ersten Punkt Hand in Hand. Denn ein Fokus auf Negatives und Hiobsbotschaften fördert Ängste und Problemdenken. Und die erlebte Hilflosigkeit gegenüber den weltweiten Katastrophen macht uns auf Dauer unglücklich. Wir verlieren den Blick für das Gute in unserem Leben.

  3. Nachrichten sind meist sinnlos:

    Auf die meisten schlimmen Ereignisse in der Welt haben wir keinen Einfluss - ob es nun Terroranschläge, Unfälle oder Naturkatastrophen sind. Wir können dabei nur Ohnmacht und Resignation empfinden. Und damit ist Niemandem geholfen. Vielmehr sollten wir uns gezielt die Informationen suchen, die uns dabei helfen, etwas Positives in der Welt zu bewirken. Zum Beispiel, indem wir uns über nachhaltigen Konsum, Artenschutz, Klimaschutz etc. schlau machen. Diese detaillierten Infos bekommen wir in den klassischen Nachrichtenformaten meist gar nicht - demnach unterstützen sie uns auch nicht dabei, die Dinge zum Besseren zu verändern. Im Gegenteil. Nachrichten lähmen uns.

  4. Auf Nachrichten zu verzichten, entschleunigt und schützt vor Burnout:

    Es tut uns nicht gut, wenn wir täglich mit Meldungen über Leid und Terror bombardiert werden. Unser Körper schüttet dabei laufend Cortisol aus, was erwiesenermaßen zu Nervosität, Dauerstress, Schlafstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Infektanfälligkeit und Burnout führen kann. Ein Verzicht auf klassische Nachrichten sorgt für Entschleunigung und macht gesünder und glücklicher. Und das gibt uns Kraft für die wichtigen Dinge im Leben.

  5. Nachrichten stumpfen uns ab:

    Sind wir mal ehrlich - je mehr schlechte Nachrichten wir konsumieren, desto schneller gewöhnen wir uns daran. Jeden Tag Terroranschläge, Katastrophen, Hiobsbotschaften. Natürlich stumpft uns das mit der Zeit ab. Und je schlimmer die Bilder - desto schneller geht dieser Prozess. Eines ist sicher: zu empathischeren Menschen machen uns Nachrichten nicht.

  6. Nachrichten machen die falschen Menschen berühmt:

    Nachrichten thematisieren immer das Extreme. Auch extreme Menschen, die hier eine Plattform bekommen, um ihre Meinung kundzutun - und mit Publicity für ein Verhalten belohnt werden, das eigentlich gar nicht bewundernswert ist. Bescheidene und kluge Menschen, die in aller Stille Gutes tun, kommen in den Topmeldungen nur selten vor. Meist werden hier genau die Zeitgenossen berühmt, die nichts für eine bessere Welt getan haben.

  7. Nachrichten nehmen uns die Kreativität:

    Ständig stopfen wir unseren Geist mit Informationen voll. Und zwar mit Informationen, die uns keinerlei neuen, frischen Input bieten. Im Gegenteil - sie lähmen unseren Geist mit sinnlosen Wiederholungen und sorgen dafür, dass wir uns nicht mehr auf das Wesentliche fokussieren können. Außerdem verringert die Flut an täglichen Nachrichtenmeldungen unsere Aufmerksamkeitsspanne und verhindert, dass wir uns wirklich in ein Thema vertiefen können.
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Wer auf Nachrichten verzichtet, hat mehr Zeit für gute Bücher. Bild: Pexels, Pixabay

Zeit für die wichtigen Themen gewinnen

Wie wäre es, für einige Zeit ganz bewusst auf klassische Nachrichten zu verzichten und zu sehen, was sich dadurch verändert? Und keine Angst - hinter dem Mond lebt dadurch keiner. Im Gegenteil. Wir gewinnen neue Zeit und Muße, uns mit den wirklich wichtigen Themen zu beschäftigen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Anna (Sonntag, 17 November 2019 13:10)

    Hallo Alexandra,
    ich habe ebenfalls vor einiger Zeit entschieden keine klassischen Nachrichten mehr zu sehen und zu hören. Diese dauernden schlechten Nachrichten schlagen mir aufs Gemüt - obwohl ich ein sehr fröhlicher, positiver und optimistischer Mensch bin. Nachrichten gerne - aber nicht reißerisch und gerne auch mal positiv. Die klassischen Medien formen ein sehr gefiltertes Bild, was ich persönlich für schwierg halte, weil viele Menschen es nicht weiter hinterfragen und so eine extreme Stimmungsmache entstehen kann.
    Seit ich mich dazu entschieden habe die klassischen Medien zu meiden, geht es mir deutlich besser.
    Und ich habe nicht das Gefühl uninformierter zu sein ;).
    Vielen Dank für deinen schönen Blog.

  • #2

    Alexandra (Sonntag, 17 November 2019 19:24)

    Liebe Anna,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich sehr, dass dir mein Blog gefällt. Mir geht es mit den Nachrichten genau wie dir. Diese gefilterten und überwiegend negativen Meldungen sind gar nicht nötig, um gut informiert zu sein. Ich persönlich konzentriere mich auch lieber auf die Dinge, wo ich etwas Positives bewirken kann. Und die wirklich wichtigen Nachrichten bekommt man sowieso mit.

    Liebe Grüße von Hof Eulengrund,
    Alexandra