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Naturnahe Pferdehaltung: Wie befestige ich den Boden bienenfreundlich?

Welcher Untergrund ist der richtige?

Welchen Untergrund soll ich für Offenstall oder Trail am besten wählen? Ein sehr komplexes Thema. Je nach Lage, Größe der Fläche, Bodenbeschaffenheit, Gefälle und Anzahl der Pferde fällt die Antwort darauf ganz anders aus. Und wie so oft im Leben kommt es auch hier auf die richtige Mischung und Ausgewogenheit an.

 

Eines ist jedoch sicher: Wer nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung hat und verhindern möchte, dass seine Pferde jeden Winter tief im Matsch stehen, kommt um eine Bodenbefestigung meist nicht herum - zum Beispiel mit Bodengittern, Matten, Mineralbeton etc. Aber ist das wirklich auf der gesamten Fläche notwendig oder darf an mancher Stelle der Naturboden bleiben? Für unsere Pferde sind natürliche Untergründe (auch mit stellenweise Matsch) kein Problem, sofern sie daneben genügend trockene Flächen zur Verfügung haben.  Im Gegenteil - wenn wir ehrlich sind, lieben unsere Tiere ab und zu ein ausgiebiges Schlammbad. Und wir Menschen dürfen uns beim Anblick unseres lehmverkrusteten Pferdes einfach mal entspannen. Denn nichts ist natürlicher und artgerechter :-).

 

Was dagegen leider gar nicht natürlich ist, sind komplett versiegelte Flächen, die keinerlei Bodenaktivität mehr zulassen. Deshalb finde ich es auch bedenklich, dass Kunstrasen gerade so sehr im Trend liegt. Zugegeben - er ist günstig und praktisch, aber sein Einsatz bedeutet auch, dass die Bodenorganismen absterben: "Wenn der Boden dauerhaft von Luft und Wasser abgeschlossen ist, geht die Bodenfauna zugrunde, welche wiederum wichtige Funktionen für den Erhalt und die Neubildung von fruchtbaren Böden erfüllt." (Quelle Umweltbundesamt). Außerdem landet auch eine Menge Kunststoffabrieb in der Natur. Und das ist übrigens auch für unsere Pferde nicht gesund.

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So sehen die Nistgänge der Wildbienen auf unserem Trail aus

Unversiegelte Flächen für Wildbienen & Co.

Wusstet ihr, dass fast 75 % der Wildbienen ihre Nester im Boden bauen (Quelle: Deutschland summt) . Dazu gehören verschiedene Sandbienenarten wie die Weiden-Sandbiene oder die seltene Braunbrüstige Hosenbiene.  Grundsätzlich graben Wildbienen ihre Nistgänge am liebsten in Sand-, Löss- oder Lehmböden und bevorzugen dabei vegetationsarme und sonnige Flächen. Gerade Trails oder Offenställe sind also ideale Lebensräume, wie wir auf unserem Hof jedes Jahr beobachten. Bei uns im Boden wimmelt es nur so von deren Gängen (siehe Bild oben).

 

Warum also nicht der Natur und den Bienchen etwas Gutes tun und zumindest Teile des Offenstalls bzw. Trails unbefestigt lassen? Falls das nicht möglich ist (weil z. B. die Fläche nicht groß genug ist), dann sind zum Beispiel Bodengitter bzw. Raster eine gute Möglichkeit der Befestigung, ohne die Fläche ganz zu versiegeln. In Kombination mit Sand können in den Zwischenräumen ebenfalls Wildbienen nisten und ihren Gang nach draußen graben.

 

Habt ihr vielleicht auch schon Wildbienennester auf eurem Paddock und Trail entdeckt? Schreibt es mir - ich bin neugierig!

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Wildbienen und andere seltene Insekten profitieren von einer naturnahen Pferdehaltung

Welche Untergründe wir auf Hof Eulengrund gewählt haben

Bei uns auf dem Hof findet man eine Mischung unterschiedlicher Untergründe. Der ca. 800 Quadratmeter große Offenstallbereich ist mit speziellen Gittermatten befestigt, die wir direkt auf dem lehmigen Naturboden (mit natürlichem Gefälle) verlegt haben. Befüllt wurden sie dann mit Sand - et voilà - sie halten bereits seit 12 Jahren. Wir sind sehr glücklich mit der Lösung, denn die Pferde haben einen trockenen Bereich bei jeder Witterung, die Bodenorganismen bleiben trotzdem aktiv und sogar Wildbienen bauen dort ihre Nester. Außerdem wachsen  hier Pflanzen wie z. B. die Wegmalve. Dazu haben wir im Offenstall noch ein paar "Inseln" mit Kieseln aufgeschüttet, die gut für die ökologische Vielfalt und auch die Massage der Pferdehufe sind. Nur das Abmisten verlangt hier ein wenig Geschick.

 

Auf dem ca. 700 Meter langen Trail ist dagegen überwiegend der Naturboden erhalten geblieben. Lediglich am Hang wurde ein schmaler Weg mit Bodengittern verlegt.  Natürlich entstehen dort im Winter matschige Stellen, aber auf der Länge des Trails ist das nicht schlimm - und die Pferde kommen gut damit klar. Nur wir Menschen hadern dann manchmal damit, wenn die Gummistiefel nach einer Runde gefühlt 100 Kilogramm wiegen. Aber es erspart uns das Fitnesstraining :-)

Schreibt mir gerne eure Erfahrungen

Welche Lösung bzw. welcher Untergrund richtig ist, hängt von verschiedenen Faktoren und den individuellen Gegebenheiten ab. Deshalb gibt es auch nicht die Patentlösung. Aber es lohnt sich, hier sowohl das Wohl der Pferde als auch der Natur im Auge zu behalten (wobei beides meiner Meinung nach Hand in Hand geht).

 

Schreibt mir gerne über eure Erfahrungen mit unterschiedlichen Untergründen.

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