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Altes Wissen oder Aberglaube? Was steckt eigentlich hinter den Eisheiligen?

Die Eisheiligen bringen Frost im Mai. Oder ist das alles nur Zufall?

Bald ist es wieder soweit - vom 11. bis 15. Mai ist die Zeit der Eisheiligen. "Die kalte Sophie macht alles hie" oder "Mamerz hat ein kaltes Herz." So lauten 2 der dazugehörigen Bauernregeln. Sie beschreiben ein allseits bekanntes Phänomen, das nicht nur bei Hobbygärtnern für schlaflose Nächte sorgt: Kälteeinbrüche bis Mitte oder sogar Ende Mai - oft sogar mit Frost. Meteorologisch nennt man sie auch Singularitäten (eigenartige Witterungsregelfälle). Aber was hat es mit den Bauernregeln auf sich, wer sind diese Eisheiligen eigentlich genau und ist das alles vielleicht doch nur ein überholter Aberglaube?

Bauernregeln - der Wetterbericht des Mittelalters

Bauernregeln waren quasi der Wetterbericht des Mittelalters. Damals beobachteten die Menschen die Natur ganz genau und merkten sich typische Witterungseinflüsse zu bestimmten Zeiten des Jahres. So konnten sie zum Beispiel die beste Zeit für Aussaat und Ernte festlegen. Diese Beobachtungen hielten sie dann als Reime bzw. Bauernregeln fest und gaben sie von Generation zu Generation weiter.

Sophie, Pankratius & Co.: Bischöfe und Märtyrer aus dem 4. und 5. Jahrhundert

In ganz Europa kennt man die Tage der Eisheiligen. Sie gehen zurück auf 5 Märtyrer und Bischöfe aus dem 4. und 5. Jahrhundert. Oft werden diese Wetterheiligen auch Eismänner oder gestrenge Herren genannt, was eigentlich ja eine "Frechheit" ist, da zu ihnen ja auch eine Frau namens Sophie gehört.

 

  • 11. Mai: Mamertus war im 5. Jahrhundert Bischof im gallischen Vienne.

  • 12. Mai: Pankratius bekannte sich als römischer Bürger zum christlichen Glauben und wurde im 4.  Jahrhundert als Märtyrer in Rom hingerichtet.

  • 13. Mai: Servatius war im 4. Jahrhundert Bischof im belgischen Tongern.

  • 14. Mai: Bonifatius wurde im 4. Jahrhundert in Rom hingerichtet, weil er sich als Christ taufen ließ.

  • 15. Mai: Sophie/Sophia starb Anfang des 4. Jahrhunderts in Rom als Märtyrerin bei einer großangelegten Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian.

Wie kam es zum Begriff der Eisheiligen?

Erst viele Jahrhunderte nach deren Tod sprach die Kirche Sophie, Mamertus, Bonifatius, Pankratius und Servatius heilig und wies ihnen die Gedenktage vom 11. bis 15. Mai zu. Im katholischen Mittelalter wussten die gläubigen Menschen ganz genau, welches Datum für welchen Heiligen steht. Bald erkannten sie, dass genau während der Namenstage von Sophie, Mamertus und Co. besonders häufig mit Frost zu rechnen war - und sprachen deshalb von den 5 Eisheiligen.

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Plötzlicher Frost ist in der Zeit der Eisheiligen keine Seltenheit. Bild: Florian Pircher, Pixabay

Wie lässt sich das Wetterphänomen erklären?

Auch wenn man die Bauernregeln als reinen Aberglauben abtun möchte, Temperaturstürze bis Ende Mai sind keine Seltenheit. Aber welche meteorologische Erklärung gibt es dafür?

 

Ab Mai haben wir auf dem Festland in Mitteleuropa meist schon recht milde Temperaturen. Der Kontinent erwärmt sich dabei schneller als das Meer - was zu Temperaturunterschieden zwischen Land und Ozean führt. In der Folge verschieben sich die Luftmassen und eiskalte Luftströmungen aus den Polargebieten landen bei uns in Mitteleuropa. Besonders bei sternenklarem Himmel ist dadurch die Frostgefahr bis Ende Mai recht hoch. Erst mit Ablauf der kalten Sophie (in Süddeutschland) wird das warme Frühlingswetter stabil.

 

Die Bauernregeln sind übrigens noch in der Zeitrechnung des julianischen Kalenders entstanden (Julius Caesar hatte diesen 45 v. Chr eingeführt). Im Jahr 1582 wurde der julianische dann vom gregorianischen Kalender abgelöst (benannt nach Papst Gregor XIII.) - weshalb die Eisheiligen heute gut 1 Woche weiter vorne liegen. Ansonsten hätte kalte Sophie nämlich erst am 23. Mai ihren Namenstag.

Einige Bauernregeln zu den Eisheiligen

  • Mamerz hat ein kaltes Herz.
  • Mamertius, Pankratius, Servatius bringen oft Kälte und Verdruss.
  • Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz.
  • Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
  • Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist.
  • Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi.
  • Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.
  • Pflanze nie vor der kalten Sophie
  • Und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie.
  • Die kalte Sophie macht alles hie.

 

Glaubt ihr an die alten Bauernregeln? Schreibt mir eure Erfahrungen und Gedanken gerne in den Kommentaren.

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