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Eine Kräuterweide macht Pferde froh - und die Natur ebenso

Pflanzenvielfalt: Lassen wir die Pferde selbst wählen

In Freiheit suchen sich Pferde instinktiv die Kräuter, Sträucher, Blätter, Gräser, Rinden, Moose, Saaten und Früchte, die sie gerade für ihre Gesundheit brauchen. Auch unsere Hauspferde besitzen diesen Instinkt noch – sofern sie artgerecht gehalten werden und nicht überwiegend das Innere einer Box bzw. eines kargen Paddocks sehen.

 

Wir Menschen dagegen können gar nicht so genau wissen, was unser Pferd zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt (oder eben nicht). Lassen wir die Pferde daher wieder mehr selbst entscheiden. Zum Beispiel, indem wir eine artenreiche Kräuterweide anlegen. Davon profitiert auch die Natur. Denn Wildkräuter bieten unzähligen Insekten Nahrung wie Bienen, Hummeln, Käfern u.v.m.

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Kamille - wirkt entzündungshemmend und beruhigend auf Magen und Darm

Welche Arten für die Kräuterweide?

Je größer die Kräutervielfalt, desto besser. Aber damit aller Anfang leicht ist, könnt ihr auch erst einmal mit ein paar wenigen Arten loslegen.

 

Hier kommt eine kleine Auswahl der Lieblingskräuter unserer Pferde:

  • Echte Kamille: Kamillenblüten wirken wohltuend und beruhigend auf Magen und Darm und lindern Entzündungen. Die Kamille liebt sonnige Standorte sowie sandig-lehmigen Boden - und sie ist ein Eldorado für Wildbienen.
  • Schafgarbe: Die Schafgarbe wirkt ähnlich wie die Kamille heilend bei Erkrankungen des Darmes. Pferde fressen sie zum Beispiel zur Linderung von Blähungen sowie bei Entzündungen des Magen- und Darmtraktes. Außerdem dient die Schafgarbe vielen Insekten (z. B. dem Distelfalter und der Sandbiene) als wichtige Nahrungspflanze. Die Schafgarbe liebt sonnige Standorte, gedeiht auf mageren Böden – und verträgt auch Trockenheit gut.
  • Fenchel: Der Fenchel wirkt schleimlösend und antibakteriell, lindert Blähungen und Durchfall. Pferde fressen die Samen sehr gerne. Fenchel liebt sonnige Standorte und eher nährstoffreiche, durchlässige Böden. Bei uns gedeiht er übrigens hervorragend.
  • Spitzwegerich: Der Spitzwegerich ist ein uraltes Heilkraut und wurde 2014 sogar zur Arzneipflanze des Jahres gewählt. Sowohl bei Mensch als auch Pferd hat er wohltuende Wirkung auf die Atemwege, die Mundschleimhaut und Wunden. Er gedeiht sehr gut in sonniger Lage und auf sandig-lehmigem Boden.
  • Wiesensalbei: Der Wiesensalbei wirkt (wie der echte Salbei) entzündungshemmend und leicht antibakteriell. Er mag es am liebsten sonnig und trocken. Für eine Vielzahl von Hummeln und anderen Insekten ist eine wichtige Nahrungspflanze.
  • Ringelblume: Ringelblumen wirken heilend auf Schleimhäute und lindern z. B. Magenbeschwerden. Pferde fressen die Blüten sehr gerne. Am besten gedeihen Ringelblumen an sonnigen Plätzen mit nährstoffreichem, etwas feuchtem und eher lockerem Boden.
  • Wiesenkümmel: Kümmel wirkt erwärmend, magenstärkend, harntreibend und verdauungsfördernd. Er liebt sonnige Standorte und tiefgründige bzw. eher lehmige Böden. Seine Blüten locken vielerlei Insekten an.
  • Klettenlabkraut: Das Klettenlabkraut oder auch Klebkraut ist bekannt für seine stoffwechselanregende, entschlackende Wirkung und kann Nierenbeschwerden, Blasenerkrankungen sowie Appetitlosigkeit lindern. Zudem enthält es viel Kieselsäure und wirkt sich daher auch positiv auf die Hufe, die Haut und das Fell aus. Es gedeiht sehr gut auf sonnigen bis halbschattigen Standorten mit durchlässigen, feuchten und nährstoffreichen Böden.
  • Löwenzahn: Löwenzahn zählt wohl mit zu den bekanntesten und häufigsten Wildkräutern. Er wirkt belebend, stärkend, blutreinigend und harntreibend. An den Standort stellt er geringe Ansprüche- besonders gerne wächst er in sonnigen Lagen und auf feuchten, nährstoffreichen Untergründen.

Diese Liste zeigt natürlich nur eine kleine Auswahl – man könnte sie fast endlos weiterführen. Zum Beispiel mit Wilde Möhre, Wegwarte, Goldrute, Mädesüß, Thymian...

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Fenchel auf unserer Kräuterweide Anfang Mai

Der richtige Standort für die Kräuterweide

Es macht Sinn, den Standort für die Kräuterweide mit Bedacht auszuwählen und das Klima sowie die Bodenverhältnisse gut zu kennen bzw. kennenzulernen. Wo ist es sonnig? Welche Beschaffenheit hat der Boden - ist er lehmig oder sandig, trocken oder feucht? Welche Pflanzen gedeihen hier bisher gut?

 

Für unsere Kräuterweide haben wir einen Teil des Grundstücks auserkoren, das gleich mehrere unterschiedliche Voraussetzungen erfüllt – es gibt Bereiche mit Sonne aber auch mit Schatten, mit kargem aber auch lehmigem, nährstoffreichem Boden. So können wir eine größtmögliche Kräutervielfalt etablieren.

Kräuter säen

Die Samen haben wir einfach auf der bestehenden Weide verteilt - und dabei für die jeweiligen Kräuter den passenden Standort gewählt. Wenn die Grasnarbe sehr dicht ist, empfiehlt es sich, diese an mehreren Stellen etwas aufzubrechen bzw. aufzurauen, damit die Samen besser anwachsen können.

 

Bei uns haben sich verschiedene Kräuter inzwischen gut etabliert und säen sich seither immer wieder selbst aus.

 

Noch ein paar Tipps im Überblick:

 

  • Die Kräuterweide sollte aus einer Vielzahl an verschiedenen Arten bestehen.
  • Standort für die jeweiligen Kräuter mit Bedacht auswählen (Sonne, Schatten, Bodenbeschaffenheit etc.)
  • Die Samen vor der Aussaat evtl. mit Sand oder Humus vermischen. Grasnarbe vorher evtl. an mehreren Stellen etwas aufbrechen
  • Aussaat der Kräuter ab ca. Mitte April möglich - am besten vor dem Regen
  • Pferde nach der Aussaat mind. 4-6 Wochen nicht auf die Fläche lassen
  • Kräuterweide von der regulären Weide abtrennen und die Tiere hier zusätzlich stundenweise grasen lassen
  • Pferde bei der Auswahl der Kräuter beobachten und lernen

 

Habt ihr auch schon eine Kräuterweide angelegt? Schreibt mir eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren.

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Auch Pferde lieben Pflanzenvielfalt

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