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Zeit für mehr "Wildnis": Geben wir der Natur Raum

Das Leben aller Lebewesen, seien sie nun Menschen, Tiere oder andere, ist kostbar, und alle haben dasselbe Recht, glücklich zu sein. Alles, was unseren Planeten bevölkert, die Vögel und die wilden Tiere sind unsere Gefährten. Sie sind Teil unserer Welt, wir teilen sie mit ihnen.

 

(Dalai Lama)

Schluss mit Designer-Gärten ohne Leben

Es stimmt mich immer sehr nachdenklich, wenn ich diese modernen Designer-Gärten aus Beton und Steinen sehe. Oder auch die allseits beliebten kurzen Rasenflächen ohne Bäume, Wildblumen oder Sträucher. Jegliches Leben wurde dort verbannt. Kein Vogel, Biene, Käfer etc. kann in so einem "Garten" noch existieren.

 

Ich frage mich, warum viele Menschen so besessen davon sind, dass alles akkurat und "sauber" sein muss. Nicht das geringste bisschen Natur oder Wildnis hat da eine Chance. Jedes "Unkraut" wird sofort ausgemerzt und Wildsträucher - bloß nicht. Die muss man ja zurückschneiden und das ganze Laub im Herbst will man schließlich auch nicht haben. Diese Einstellung ist nicht nur traurig, sondern auch gefährlich. Gerade vor dem Hintergrund des massiven Artensterbens, das derzeit auf unserem Planeten stattfindet. Was hat uns eigentlich so weit von der Natur entfernt? Ist es nicht Zeit, umzudenken der Natur wieder Raum zu geben?

 

Warum sehen wir die den Wert und die Schönheit wilder "Unkräuter" oder den einer dichten Hecke voller Vögel, Hummeln und anderen Insekten nicht mehr? Warum können wir den Anblick eines Laubhaufens nicht ertragen, der doch so vielen Lebewesen Lebensraum bieten könnte? Eigentlich ist es doch ein sehr schöner Anblick, finde ich.

Auch vielen Pferdeweiden fehlt es an Artenreichtum

Nicht viel besser sieht es auf vielen Pferdeweiden und -höfen aus. Ich sehe immer noch Tiere auf völlig kahlen Weideflächen stehen, wo nur noch ein paar Grassorten wachsen und kein Strauch oder Baum wenigstens ein bisschen Abwechslung bietet. Für die Natur und auch die artgerechte Haltung scheint da kein Platz zu sein. Aber Pferde brauchen eine Vielfalt an Pflanzen. Sie lieben es, an Sträuchern zu knabbern und sich die (Un-)Kräuter und Früchte zu suchen, die sie gerade für ihre Gesundheit benötigen.

Mehr Raum für Wildnis und Artenvielfalt  – so machen wir es auf Hof Eulengrund

Lassen wir doch wieder ein wenig "Wildnis" in unser Leben. Zum Beispiel, indem wir Wildblumen, Hecken und Bäumen etc. wieder mehr Raum in unseren Gärten oder auch auf den Weideflächen geben.

 

Auf Hof Eulengrund pflanzen wir jedes Jahr im Frühjahr und Herbst verschiedenste heimische Sträucher und Bäume. Gerade sind wieder neue Pflanzen für den Pferde-Trail angekommen - darunter Weißdorn, Haselnuss, Wildrose (Hagebutte), Schlehe, Brombeere, Apfelbeere (Aronia) und als Baumsorten Wildbirne, Birke und Linde. Deren Blätter, Blüten, Beeren und Nüsse bieten vielen Tieren das ganze Jahr über Nahrung. Sowohl Insekten als auch Vögel und kleine Säugetiere laben sich gerne an der bunten Vielfalt.

 

Nach und nach finden so wieder mehr Tierarten ein Zuhause, wie z. B. die Schleiereulen, deren Nachwuchs wilde Hecken als Versteck dringend benötigt. Und auch die Pferde dürfen wieder naturnäher leben, indem sie wie ihre wilden Verwandten eine Vielfalt verschiedenen Pflanzenarten, Früchten und Kräutern zur Verfügung haben. Die schmecken ihnen nicht nur gut, sondern versorgen sie auch noch mit wichtigen Vitaminen, Mineralien und auch heilenden Stoffen. Ich bin dabei immer wieder fasziniert, wie geschickt unsere Islandponys z. B. Hagebutten oder Brombeeren vom stacheligen Strauch pflücken.

Artenvielfalt auf Hof Eulengrund
Neue Sträucher für den Pferde-Trail. Bild: Alexandra Lill

Gesunde Früchte – auch für uns Menschen

Und übrigens sind die Früchte von Wildrose, Apfelbeere (Aronia), Brombeere oder Haselnuss und Co. nicht nur für die Tiere ein Genuss. Auch wir Menschen profitieren von den gesunden Beeren und Nüssen.

 

Wildrose/Hagebutte: Die Früchte der Wildrose enthalten sehr viel Vitamin C, aber auch Vitamin A, B1, B2, E und K. Zudem viele Mineralien und Fruchtsäuren. Als Mus zubereitet schmecken sie hervorragend z. B. als Fruchtaufstrich aufs Brot. Die getrockneten Hagebutten dienten übrigens Höhlenbewohnern schon vor Urzeiten als Vitaminspeicher in den rauen Winterzeiten.

 

Aronia/Apfelbeere: Die Aronia, auch Apfelbeere genannt, erinnert vom Aussehen her ein wenig an die Heidelbeere. Sie ist schon lange in Europa heimisch, obwohl sie ursprünglich aus Amerika stammt. Die wertvolle Beere wird gerne bei Herzkreislauf-Erkrankungen und Entzündungen aller Art eingesetzt. Sie hat unter den heimischen Beeren die Nase vorn, was gesunde Inhaltsstoffe angeht. Da sind z. B. die Vitamine A, C, E, K sowie die gesamte Gruppe der B-Vitamine. Hinsichtlich Mineralien und Spurenelementen punktet die Apfelbeere mit beachtlichen Mengen an Magnesium, Kalium, Kalzium, Zink und Eisen. Sie enthält außerdem viele sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, Anthocyane und Carotinoide.

 

Brombeere: Die Brombeerfrüchte enthalten insbesondere Vitamin A, den B-Komplex und Vitamin C. Sie sind außerdem reich an Mineralstoffen wie Magnesium, Kalium, Phosphat und Calcium. Ebenfalls sind geringe Mengen von Eisen, Zink, Natrium und Mangan enthalten. Weitere Inhaltsstoffe sind sekundäre Pflanzenstoffe wie Carotinoide, Anthocyane und Polyphenole. Die Blätter haben eine zusammenziehende (adstringierende) und entzündungshemmende Wirkung.

 

Haselnuss: Die Hasel zählt zwar nicht direkt zu den Heilpflanzen – die Früchte bzw. Nüsse enthalten allerdings viel Fette (über 60 %), Eiweiße, Eisen, Kalzium und die Vitamine A, C, B1 und B2. Sie sind also sehr gesund und schmecken außerdem hervorragend.

 

Das ist nur ein kleiner Teil der wundervollen Vielfalt an heimischen Pflanzen. Es lohnt sich, hier mal ein wenig näher hinzuschauen.

Bis April ist Pflanzzeit: Jetzt noch schnell heimische Sträucher und Bäume pflanzen

Von Oktober bis April ist übrigens die beste Pflanzzeit. Im Sommer ist es dafür zu trocken – außerdem ist es während der Vegetationsphase ohnehin nicht zu empfehlen. Also am besten noch schnell ein paar Wildsträuchern oder Bäumen einen neuen Lebensraum bieten.

Noch ein Tipp: Totholzhecken bieten zusätzlichen Lebensraum

Geschnittene Zweige und Äste sollten am besten nicht auf dem Grünabfall landen, sondern die Grundlage für wertvolle Totholzhecken bilden. Die bieten vielen Wildtieren wie z. B. Igeln einen tollen Unterschlupf und die Pferde freuen sich über zusätzliche Knabbergelegenheit. Mit der Zeit wachsen außerdem neue, wilde Pflanzen aus dem alten Holzhaufen, die die Hecke natürlich verzieren und für weitere Artenvielfalt sorgen. Dazu aber mehr in einem kommenden Artikel 😊.

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