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Wo die Elfen wohnen: So gelingt der Naturgarten.

Was gibt es Schöneres als einen summenden, blühenden und duftenden Naturgarten voller Leben. Er ist das Zuhause von Schmetterlingen, Singvögeln, Wildbienen, Igeln und anderen kleinen Wildtieren. Aber auch wir Menschen können hier aufatmen und wieder zu uns selbst finden. Alten Sagen zufolge kann man in wilden Hecken aus Weißdorn und Holunder sogar mystische Wesen wie Feen und Elfen entdecken.

 

Wie ihr einen Naturgarten plant und worauf ihr dabei achten solltet, erfahrt ihr in meinem Beitrag.

Neue Inspirationen für einen naturnahen Garten

Auf Hof Eulengrund gestalten wir alles so naturnah wie möglich - sowohl im Garten als auch im gesamten Bereich für die Pferde. Zum Beispiel, indem wir heimische Sträucher und Bäume pflanzen, Wildblumen und Kräuter säen, Totholzhecken anlegen etc. Aber es geht noch viel mehr: Vor Kurzem hat der LBV bei uns vor Ort zu einem Vortrag über Naturgärten eingeladen. Natürlich habe ich mir dieses geballte Wissen nicht entgehen lassen - und durfte viele neue Anregungen und Erkenntnisse mitnehmen, die ich gerne mit euch teilen möchte. Denn einige prinzipielle Dinge sollte man bei der Planung und Umsetzung eines Naturgartens unbedingt beachten.

Was zeichnet einen Naturgarten aus?

Ein Naturgarten lebt von größtmöglicher Vielfalteiner Vielfalt an Lebensräumen, Tierarten, Pflanzen etc. Gut geplant, gibt es kaum etwas Pflegeleichteres, denn hier herrscht ein intakter Kreislauf der Natur. Alles hat seinen Platz und seine Zeit. Aber man muss auch "zulassen" können und dem Garten seine natürliche Entwicklung ermöglichen. Laub und Totholz dürfen einfach liegen bleiben - und auch verblühte Pflanzen haben ihre Berechtigung, da ihre Samen vielen Tieren als Nahrung dienen. Verschiedene Gestaltungselemente wie Hügel und Teiche sowie unterschiedliche Böden aus Sand, Steinen etc. schaffen ideale Bedingungen für eine Vielzahl an Lebensformen.

Auch ein Naturgarten will gut geplant sein.

Einen Naturgarten zu planen und umzusetzen, macht sehr viel Freude - es gibt aber auch einiges zu bedenken. Wieviel Platz steht mir zur Verfügung? Wo sind schattige, sonnige, trockene oder feuchte Bereiche? Wie ist der Boden beschaffen – nährstoffreich oder nährstoffarm? Welche Gestaltungselemente bieten sich an und sind gewünscht? Wie will ich den Garten nutzen? Soll auch ein Gemüsegarten integriert werden? Wichtig ist es, sich für die Planung Zeit zu nehmen und umfassend zu informieren. Lest Bücher zum Thema Naturgarten und/oder besucht Vorträge und Seminare. Eine weitere Option kann auch sein, sich Hilfe von einem echten Naturgartenexperten zu holen.

Naturgarten, Wildnis, Artenvielfalt
In einem Naturgarten muss nichts akkurat sein. Bild: congerdesign, Pixabay

Eine Vielzahl an Lebensräumen schaffen

In einem Naturgarten sollen möglichst viele Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause finden. Damit das gelingt, brauchen wir verschiedene Gestaltungselemente. Wenn ich beispielsweise einen Hügel anlege, dann schaffe ich sofort ganz unterschiedliche Lebensbedingungen. Die Südseite ist ideal für sonnenliebende Arten und auf der Nordseite gedeihen Pflanzen, die einen schattigen Standort bevorzugen.

 

Neben Hügeln sollte man im naturnahen Garten auch Bereiche mit Sand (sogenannte Sandarien) einplanen. Denn viele bedrohte Wildbienenarten, darunter die Sandbiene, nisten im Boden und sind auf solche mageren und freien Sandflächen angewiesen. Ein weiteres zentrales Gestaltungselement im Naturgarten ist Wasser - zum Beispiel in Form eines Teiches. Bäume, Wildsträucher, Wildstauden, Totholz und "verwilderte Ecken" sorgen für noch mehr Artenvielfalt.

Nur heimische Pflanzen bieten vielen Tieren Nahrung.

Wichtig ist auch die richtige Auswahl an Pflanzen. Denn in einen Naturgarten gehören nur heimische Arten - zum Beispiel wilde Sträucher wie der ein- oder zweigrifflige Weißdorn, Schlehe, Wildrose/Hagebutte, Haselnuss, aber auch Wildblumen und Stauden wie Schafgarbe, Kornblume, Akelei, Natternkopf, Beinwell, Fenchel, Wiesenkümmel, Wilde Möhre, Borretsch, Moschusmalve, Wiesensalbei, Flockenblume, Wirbeldost, Blutstorchschnabel und viele mehr.

 

Exotische Pflanzen aus fernen Ländern haben in einem Naturgarten nichts verloren, denn sie bieten unseren einheimischen Insekten und Vögeln meist überhaupt keine Nahrung und damit Lebensgrundlage. Vor jedem Kauf sollte man also sicher gehen, dass es sich nicht um ein importiertes Gewächs handelt, das einfach nur nett aussieht. Gerade die bedrohten Wildbienen sind oft Spezialisten, die nur auf bestimmte Arten gehen.

Kein Gift, chemische Dünger oder Torf

Jegliche Verwendung von Pestiziden und chemischen Düngern ist in einem Naturgarten tabu. Schließlich wollen wir hier ein natürliches Gleichgewicht herstellen und nützlichen Insekten einen idealen Lebensraum bieten. Die nur einmalige Verwendung von Gift und chemischem Dünger kann dieses Gleichgewicht für immer vernichten.

 

Auch auf Torf sollte man verzichten. Denn der Abbau sorgt für die zunehmende Zerstörung der Moore. Damit verlieren unzählige seltene Pflanzen und Tiere ihren einzigartigen Lebensraum - und aus den meterdicken, seit der letzten Eiszeit gewachsenen Moorschichten entweichen große Mengen der klimaschädlichen Gase Kohlendioxid, Lachgas und auch Methan.

Der Natur ihren Lauf lassen

Ein Naturgarten verändert sich von Jahr zu Jahr - und von Jahreszeit zu Jahreszeit. Nichts bleibt exakt so, wie es ursprünglich angelegt wurde. Wir können hier den natürlichen Kreislauf beobachten und daraus lernen. Deshalb gibt es hier auch das ganze Jahr etwas zu entdecken – selbst im tiefsten Winter.

 

Wichtig ist es, sich dessen schon bei der Planung bewusst zu sein und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Zu beobachten und offen zu sein, für all die Dinge, die dort passieren. Ein Naturgarten sieht nicht aufgeräumt und akkurat aus - Laub und Totholz darf hier einfach liegenbleiben, aus Schnittgut von Sträuchern kann man eine artenreiche Hecke gestalten und verblühte Stauden dienen als Nahrungsquelle für Vögel und Insekten.

Naturgarten, Totholzhecke
Eine artenreiche Hecke aus Zweigen und Ästen. Bild: Alexandra Lill

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