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Die "Nichts-Tun-Landwirtschaft" von M. Fukuoka: in Harmonie mit der Natur.

"In gleichem Maße, wie Menschen sich von der Natur lösen, entfernen sie sich von ihrem eigenen Mittelpunkt."

 

(Masanobu Fukuoka)

In der Natur existiert nichts für sich allein.

Der Weg des japanischen Landwirts und Philosophen Masanobu Fukuoka hat mich sehr beeindruckt. Ich bin überzeugt, dass wir vielen menschengemachten Problemen ein Ende bereiten könnten, würden seine Prinzipien einer "Nichts-Tun-Landwirtschaft" den Weg in unsere Gesellschaft finden. Seine Erkenntnisse und Erfahrungen könnten uns sogar dabei helfen, die Zerstörungen der modernen Landwirtschaft umzukehren.

 

Masanobu Fukuoka arbeitete in der Forschung als Mikrobiologe, bis ihm klar wurde, dass wir Menschen die gesamte Komplexität der Natur mit all ihren Wechselbeziehungen niemals ganz verstehen können. Jeder Eingriff in ein Ökosystem hat Folgen, die für uns nicht vorhersehbar sind.

 

"Fast jeder denkt, dass Natur eine gute Sache ist, aber wenige können den Unterschied zwischen natürlich und unnatürlich fassen. Wenn eine einzige Knospe mit der Schere aus einem Baum herausgeschnitten wird, kann das die Ordnung stören und vielleicht nicht wieder ungeschehen gemacht werden", schreibt Fukuoka in seinem Buch "Der große Weg hat kein Tor".

 

Und die moderne Forschung erfasst diese Komplexität genauso wenig, da sie in der Regel einen isolierten Sachverhalt untersucht. "Ein Ding, das vom Ganzen abgetrennt gesehen wird, ist nicht das wirkliche Ding", betont Fukuoka. Moderne Methoden der Insektenkontrolle sind zum Beispiel völlig sinnlos, wenn sie die Beziehungen zwischen den Insekten und anderen Tieren ignorieren.

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In einem intakten Ökosystem ist alles mit allem verbunden. Bild: Couleur, Pixabay

Hin zu einer Nichts-Tun-Landwirtschaft

Fukuoka kritisierte, dass die moderne Landwirtschaft und das moderne Leben von blindem Aktionismus geprägt sind: Wir sind es gewohnt zu handeln, bevor wir die Dinge eingehend und in Ruhe betrachtet haben. Mit verschiedensten Techniken greifen wir in die Natur ein - als ob sie ein Feind wäre, den es zu bezwingen gilt.

 

Masanobu Fukuoka machte es genau andersherum. Auf seiner Farm an den Berghängen der japanischen Insel Shikoku entwickelte er eine sanfte Anbauweise im Einklang mit der Natur - entgegen dem üblichen Ziel der Gesellschaft, die Umwelt zum Nutzen des Menschen zu verändern.

 

Er fragte stattdessen: "Wie wäre es, dies nicht zu tun? Warum jenes nicht unterlassen?" So stellte er zum Beispiel fest, dass Pflügen nicht nur völlig unnötig ist, sondern auch den Boden und das Leben darin nachhaltig schädigt. Ebenso wenig benutzte er künstliche Dünger oder gar Insektizide. In seinem Buch beschreibt er einen Morgen, an dem er seine Felder wie mit Seide bedeckt vorfindet. Unzählige Spinnen hatten ihre Netze darüber gewebt. Ein Wunder der Natur, das sofort vernichtet wird, wenn nur 1 einziges Mal Chemikalien auf dem Feld verteilt werden.

 

Fukuoka arbeitete MIT der Natur, anstatt sie zu unterwerfen und ihr seinen Willen aufzuzwingen. Denn Kämpfen ist seiner Erfahrung nach überhaupt nicht notwendig. Fukuoka spricht von einer "Nichts-Tun-Landwirtschaft" - was natürlich nicht bedeutet, dass gar nichts getan wird. Aber eben nur das Notwendige - so sanft wie möglich und zur richtigen Zeit. Alle Handlungen sind genau überlegt und werden mit Gefühl ausgeführt. "Natürliche Landwirtschaft ist sanft und leicht und weist auf eine Rückkehr zum Ursprung. Ein einziger Schritt vom Ursprung weg führt in die Irre", so Fukuoka. Damit kann man seine Philosophie mit der Permakultur vergleichen, die auch hierzulande immer beliebter wird.

Hohe Erträge ohne Bodenbearbeitung, Dünger oder gar Insektizide

Der Erfolg gab Fukuoka Recht: Seine Ernten standen denen der modernen Landwirtschaft in nichts nach - und das ganz ohne Insektizide, Dünger, Bodenbearbeitung etc. Er erntete zwischen 4,9 und 5,8 Tonnen Reis pro Hektar. Das ist annähernd der gleiche Ertrag wie mit modernen Methoden. Zudem erhöhte sich in den Jahren, nachdem Fukuoka mit dem Pflügen aufgehört hatte, die Fruchtbarkeit, Struktur und Wasserspeicherfähigkeit des Bodens. Er verwendete außerdem Mulch, der den Boden nährt und chemische Dünger ersetzt.

 

Selbst Böden, die durch Chemikalien und landwirtschaftliche Praktiken vorgeschädigt waren, gesundeten nach und nach wieder mit seiner sanften, natürlichen Anbauweise. Sobald das Gleichgewicht der Natur wiederhergestellt war, konnten keine Pflanzenkrankheiten oder Insekten die Ernte komplett vernichten. Befallen wurden lediglich die schwächsten Pflanzen.

Mehr Achtsamkeit und Respekt mit allem Leben

Masanubo Fukuoka plädierte außerdem für mehr Achtsamkeit und Respekt im Umgang mit der Natur und allem Leben - woran es in unserer Gesellschaft heute leider so oft mangelt: "Geht mit Bedacht durch diese Felder. Libellen und Motten fliegen gestört auf, Bienen summen von Blüte zu Blüte. Wir teilen die Blätter und sehen Insekten, Spinnen, Frösche, Eidechsen und viele andere kleine Tiere, die sich im kühlen Schatten tummeln. Maulwürfe und Regenwürmer graben unter der Erdoberfläche. Das ist ein im Gleichgewicht befindliches Ökosystem."

Fazit: Zurück zur Natur...hin zu einem bewussten, natürlichen Leben

Fukuokas "Nichts-Tun-Landwirtschaft" war deshalb so erfolgreich, weil er sich die Zeit genommen hatte, die Natur zu beobachten. Er versuchte nicht, sie an seine Vorstellungen anzupassen und in irgendeiner Form "einzugreifen". Alles, was er tat, sollte in völliger Harmonie mit der natürlichen Umwelt geschehen.

 

Dagegen führt blinder Aktionismus nur dazu, dass man permanent beschäftigt ist. Das Ergebnis wird dadurch nicht besser - eher im Gegenteil. Fukuoka drückt es so aus: "Die Menschheit weiß nichts. Die Dinge haben keinen inneren Wert, und jede Handlung ist vergebliche, sinnlose Mühe". Seine Philosophie lässt sich auch auf andere Bereiche unserer modernen Gesellschaft übertragen. Zum Beispiel auf die Gesundheit und Medizin. Sobald wir eine ungesunde Umwelt erschaffen und unnatürliche, industrielle Nahrung zu uns nehmen, brauchen wir immer mehr Medikamente - die wiederum eine natürliche Gesundung verhindern. Ein Teufelskreislauf entsteht.

 

Der einzige Ausweg: die Rückkehr zu einem bewussten und achtsamen Leben im Einklang mit der Natur.

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Kommentare: 2
  • #2

    Alexandra (Sonntag, 14 April 2019 19:45)

    Liebe Heike,

    vielen Dank für dein Lob. Es freut mich sehr, dass dich der Artikel inspirieren konnte. Ich habe ungeheuren Respekt vor diesem weisen Mann und hoffe sehr, dass seine Philosophie sich noch weiter verbreiten wird.

    Viele Grüße,
    Alexandra von Hof Eulengrund

  • #1

    Heike (Samstag, 13 April 2019 19:32)

    Vielen Dank für den tollen Artikel. Das Buch von Masanobu Fukuoka habe ich vor einigen Jahren auch gelesen und seine Philosophie hat mich sehr fasziniert. Dein Artikel hat mich inspiriert, mich wieder damit zu beschäftigen. Liebe Grüße, Heike