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Ideen für mehr Artenvielfalt: die "pferdetaugliche" Totholzhecke

Mehr Artenvielfalt in der Pferdehaltung

In der naturnahen Pferdehaltung gibt es viele Möglichkeiten, etwas für die Artenvielfalt zu tun - und einen artgerechten Lebensraum sowohl für die Pferde als auch für Insekten, Vögel, Reptilien, Amphibien und viele andere (Wild-)Tiere zu schaffen. Auf Hof Eulengrund machen wir das, indem wir zum Beispiel heimische Sträucher und Bäume pflanzen, Nistkästen und Insektenhotels aufhängen und geeignete Wildblumen- und Kräutermischungen aussäen.

 

Nun haben wir ein weiteres "Projekt" in Angriff genommen - die Totholzhecke. Da diese Hochburg der Artenvielfalt bei uns ja innerhalb des Pferdebereichs steht, muss sie schon ein wenig stabiler gebaut sein. Schließlich soll sie den Knabber- und Schubber-Attacken unserer lieben Isländer standhalten.

 

In diesen Artikel erfahrt ihr, was eine Totholzhecke so wertvoll macht, wie einfach man sie anlegen kann - und wie unsere pferdetaugliche Version à la Hof Eulengrund aussieht.

Pures Leben in der Totholzhecke

Auch, wenn der Name etwas Anderes vermuten lässt - tatsächlich tobt in einer Totholzhecke das pure Leben: es summt, brummt, zwitschert, hüpft und krabbelt an allen Ecken und Enden. Insekten wie die Blaue Holzbiene, Zitronenfalter, Florfliegen, Marienkäfer, Spinnen, aber auch Vögel, Eidechsen, Kröten, Fledermäuse, Igel, Haselmäuse und andere Tiere finden dort Unterschlupf. Das ganze Jahr über bietet ihnen die Naturhecke Nahrung und Schutz. Unzählige Arten überwintern in den Zweigen am Boden, in diversen Hohlräumen und unter Rinden.

 

Die Totholzhecke war übrigens schon vor Jahrhunderten bei (englischen) Landschaftsgärtnern als rustikales Gestaltungselement sehr beliebt - und diente außerdem dazu, Gehölzschnitt sinnvoll weiter zu verwenden. Auch in Bauerngärten und zwischen Äckern wurde sie als natürliche Begrenzung angelegt. Damals wussten die Menschen noch um die Vorteile der artenreichen Hecke - sie war Windschutz und zugleich natürlicher Lebensraum für Nützlinge. Mit ihrer Hilfe wurden zum Beispiel Schädlinge auf den Feldern in Schach gehalten. Weil unsere heutigen Gärten und Äcker aber immer lebensfeindlicher und aufgeräumter werden, gehen diese wertvollen Landschaftselemente zunehmend verloren. Höchste Zeit also, den eigenen Garten mit einer nostalgischen und artenreichen Totholzhecke aufzuwerten.

Und wie gestalte ich eine artenreiche Totholzhecke?

Eine Totholzhecke ist ganz einfach anzulegen: Traditionell setzt man dafür mehrere Holzpfosten oder auch dicke Äste in zwei gegenüberliegenden Reihen in den Boden und schichtet dazwischen Gehölzschnitt von Sträuchern und Bäumen auf. Der Abstand zwischen den Pfosten beträgt dabei ca. 1 Meter. Es geht aber auch ganz ohne Pfosten, wie das Bild zeigt.

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Eine einfache Totholzhecke ohne Pfosten. Bild: Alexandra Lill

Dickere Zweige und Äste eignen sich besonders gut als Lebensraum für Insekten & Co. Im Laufe der Zeit verwittert das Holz und die Hecke sackt ab. Außerdem bringen Vögel nach und nach Samen in das Gehölz ein. Verschiedenste Pflanzen wachsen hindurch - die Totholzhecke fängt an zu blühen. Und fällt im Herbst und Frühjahr neues Schnittgut an, füllt man sie damit erneut auf.

 

Auf diese Weise schafft man einen artenreichen Blickfang und hat zudem eine sinnvolle Verwendung für den Gehölzschnitt gefunden. Und wer nicht warten möchte, bis Samen auf natürliche Weise in der Hecke landen, kann diese auch nach eigenen Vorstellungen bepflanzen bzw. bestimmte Wildblumenmischungen einsäen.

Totholzhecke à la Hof Eulengrund

Unsere pferdetaugliche Version einer Totholzhecke ist insgesamt 4 Meter lang und 2 Meter breit. Im Abstand von jeweils 2 Metern haben wir insgesamt 6 stabile Pfosten in den Boden gesetzt und mit jeweils zwei Brettern verbunden. Diesen "Holzrahmen" füllen wir nun nach und nach mit Gehölzschnitt auf - bis eine richtige Hecke entsteht.

 

Außerdem säen wir zwischen den Zweigen eine spezielle Wildblumenmischung ein - darunter sind Kräuter und Gräser wie Schafgarbe, Kornblume, Wiesen-Flockenblume, Wegwarte, Wilde Möhre, Tüpfel-Hartheu, Zahnöhrchen-Margerite, Hornklee, Rosen-Malve, Wilde Malve, Hopfenklee, Weißer Steinklee, Gelber Steinklee, Pastinak, Spitz-Wegerich, Rote Lichtnelke, Weiße Lichtnelke, Leimkraut, Goldrute, Feld-Thymian, Dill, Borretsch, Ringelblume, Koriander, Buchweizen, Fenchel, Sonnenblumen, Öllein, Luzerne, Schwarzkümmel etc.

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Unsere pferdetaugliche Totholzhecke entsteht. Bild: Alexandra Lill

Knabberspaß für die Pferde

Nicht nur unzählige Tierarten, sondern auch die Pferde profitieren von der Hecke. Sie können immer wieder von außen an Ästen knabbern und nehmen so wertvolle Nährstoffe und Spurenelemente auf. Natürlich verwenden wir nur für Pferde geeignete Zweige, zum Beispiel von Weißdorn, Haselnuss, Weide, Hagebutte, Schlehdorn, Linde, Birke oder auch von Obstbäumen. 

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Die Pferde haben ihren Spaß an den verschiedenen Sträuchern. Bild: Alexandra Lill

#bloggenfürartenvielfalt

Mit diesem Artikel nehme ich übrigens an der Blogparade #bloggenfürartenvielfalt teil, die von Bioland initiiert wurde, um den Artenreichtum in heimischen Gärten, Wiesen und Feldern zu fördern. Unter dem Link findet ihr noch weitere inspirierende Artikel und wertvolle Infos zum Thema Artenschutz.

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Kommentare: 2
  • #2

    Alexandra (Samstag, 27 April 2019 09:33)

    Liebe Susanne,

    herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich, wenn der Beitrag dazu inspirieren kann, etwas für mehr Artenvielfalt zu tun.

    Viele Grüße,
    Alexandra von Hof Eulengrund

  • #1

    Susanne (Freitag, 26 April 2019 11:45)

    Vielen Dank für den schönen Beitrag. Die Totholzhecke gibt eine schöne Inspiration in unserer Blogparade und das nicht nur für Pferdehalter.

    Liebe Grüße

    Susanne von Bioland