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Weniger wegwerfen: 6 Tipps für mehr Wertschätzung

1,9 Millionen Tonnen Elektroschrott pro Jahr

Der Einschaltknopf am Fernseher ist abgebrochen. Egal, das alte Ding wollte man ja schon lange loswerden und durch einen Full-HD-Fernseher ersetzen. Der Staubsauger will nicht mehr? Weg damit! Im Elektrofachmarkt gibt`s gerade 20 % auf Alles. Und natürlich benutzt auch keiner mehr die olle Kaffeemaschine, nachdem der Hightech-Kaffeevollautomat in den Haushalt eingezogen ist. In der Theorie sind wir ja alle umweltbewusst - nur in der Praxis hapert es gewaltig. Deutschland allein produziert jährlich 1,9 Millionen Tonnen Elektromüll, das sind 22,8 Kilogramm pro Einwohner (Quelle: Statista).

 

Und die Leidtragenden dieses Wahnsinns sind wie so oft nicht wir selbst, sondern die Menschen in Ländern wie Ghana, Burkina Faso, Niger, Mali, Benin und vielen mehr. Ungefähr 500 Container mit elektronischen Geräten landen pro Monat in Ghana. Und in der Weihnachtszeit, wenn wir in Europa besonders viele alte Geräte wegwerfen, können es bis zu 1.000 Container pro Tag werden. Die Folgen sind dramatisch. Ein Stadtteil von Accra namens Agbogbloshie gehört zu den zehn verseuchtesten Orten der Welt. Noch vor 20 Jahren war hier ein wichtiger Brutplatz für europäische Zugvögel, heute dient Agbogbloshie nur noch als Friedhof für unseren Elektroschrott (Quelle: Das Erste).

Instand halten statt wegwerfen

Wann haben wir eigentlich damit aufgehört, die uns anvertrauten Dinge wertzuschätzen? Viele der Geräte, die wir so achtlos wegwerfen sind noch voll funktionsfähig oder wären ganz einfach wieder in Ordnung zu bringen. Aber das Kaufen ersetzt heutzutage eben leider das Reparieren.

 

Bei unseren Großeltern war das noch ganz anders - damals landete nichts auf dem Müll, was noch irgendwie zu gebrauchen war. Man hat seine Sachen instandgehalten und an die nächste Generation weitervererbt. Wenn uns heute etwas nicht mehr gefällt, es nicht mehr auf dem aktuellsten Stand ist oder nur eine Kleinigkeit nicht mehr funktioniert, dann wird es einfach entsorgt. Umso dringender müssen wir uns wieder bewusst machen, dass in allen Dingen eine erhebliche Menge an Arbeit und Energie steckt. Ganz zu schweigen von den Schäden an Umwelt und Klima, für die unsere Konsumgesellschaft verantwortlich ist.

Muss denn immer alles neu sein?

Die Wegwerfmentalität unserer modernen Gesellschaft betrifft nicht nur Elektrogeräte, sondern natürlich auch Möbel, Kleidung, Spielzeug - und auch das Thema Renovieren.

 

Ich frage mich schon lange, warum Häuser und Wohnungseinrichtungen immer perfekt und nagelneu sein müssen. Man kann so vieles mit einfachen Mitteln auffrischen und nach seinen Vorstellungen gestalten – ohne alles rauszureißen und komplett neu einzurichten. Zum Beispiel haben wir das Badezimmer in unserem Bauernhaus mit umweltfreundlicher Spezialfarbe neu gestrichen, statt die alten braunen Kacheln und Badewanne etc. komplett zu ersetzen. Auch die Möbel haben einen neuen Anstrich erhalten. Das Ergebnis gefällt mir gut. Und wir haben dabei so gut wie keinen Müll produziert.

Auffrischen statt Wegwerfen.
Das einst dunkle Badezimmer nach dem Auffrischen mit hellen Farben. Bild: Alexandra Lill

6 Tipps für mehr Wertschätzung der Dinge

  1. Instandhalten, pflegen und auffrischen: Der erste und zugleich wichtigste Tipp klingt simpel. Die Dinge instand halten, gut behandeln und wieder auffrischen, wenn sie in die Jahre kommen. Was in der Theorie selbstverständlich klingt, ist es in der Praxis leider nicht. Schließlich kann man ja alles (günstig) neu kaufen. Aber ohne Wertschätzung keine Nachhaltigkeit. Denn jede Produktion verbraucht wertvolle Ressourcen.

  2. Repair-Cafés aufsuchen: Statt ein vermeintlich kaputtes Gerät sofort auf den Müll zu werfen, lohnt sich der Besuch eines sogenannten Repair-Cafés. Hier erhält man professionelle Unterstützung bei der Reparatur von Elektrogeräten, Textilien, Möbeln, Fahrrädern etc. und lernt auch noch gleich etwas dabei. Die ersten Reparaturcafés wurden schon 2009 in den Niederlanden eröffnet. Inzwischen gibt es diese Reparaturcafes auch in Deutschland in fast jeder (auch kleineren) Stadt. Adressen findet man z. B. auf den Internetseiten von Reparatur-Initiativen und Repaircafe.org (Quelle: Verbraucherzentrale). Nicht jedes Repair-Café ist auf diesen Seiten aufgeführt. Deshalb lohnt es sich, auch direkt vor Ort zu recherchieren, ob es ein Repair-Cafés in Ihrer Stadt gibt.

  3. Selber reparieren: Wie wäre es, sich an das "Abenteuer" zu wagen und einfach mal selbst zu reparieren. Für vieles gibt es Anleitungen im Internet z. B. bei ifixit.com. Und wer hier nicht weiter kommt, kann sich ja immer noch Hilfe beim Repair-Café oder Handwerker seines Vertrauens suchen.

  4. Tauschen statt neu kaufen: Was der eine nicht mehr braucht, kann für einen anderen durchaus nützlich sein. Hier kommt das Tauschen ins Spiel. Statt immer mehr neue Dinge zu kaufen, ist es doch viel sinnvoller, dass wir für uns "unnütze" Sachen gegen andere nützliche Dinge tauschen. Diverse Tauschbörsen machen es online möglich. Oder man fragt einfach im Bekanntenkreis nach.

  5. Secondhand: Secondhand ist der nachhaltigste Weg, um z. B. Kleidung zu kaufen. Denn holt man sich das Gewünschte aus zweiter Hand, werden keine neuen Rohstoffe benötigt oder gar Umweltgifte etc. verwendet. Und man muss auch nicht weit gehen – fast in jeder Stadt gibt es Möglichkeiten wie Flohmärkte, Secondhandläden. Und auch online gibt es inzwischen viele Möglichkeiten.

  6. Aufwerten statt ersetzen: Es muss nicht immer die neue Küche, das neue Bad etc. sein. Bevor man alles rausschmeißt, sollte man einmal genau hinsehen, ob die Einrichtungen noch funktionsfähig sind und aufgewertet werden können. Oft sind ja gerade die alten Sachen viel langlebiger. Und verschönern kann man fast alles. Hier ist eben ein wenig Kreativität gefragt.

Noch mehr Ideen gibt es auf dem inspirierenden Blog von einfachbewusst.de. Dort findet ihr z. B. den interessanten Artikel "Die 8 cleveren Alternativen zum Neukauf"

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Kommentare: 2
  • #1

    Heike Rockensüß (Donnerstag, 06 Juni 2019 22:39)

    Hallo Alexandra,
    ein schöner Artikel! Ich finde es mittlerweile auch viel befriedigender Sachen zu reparieren, aufzuhübschen oder gebraucht zu kaufen. Und eben auch mit weniger Besitz zu leben....dafür mehr zu LEBEN....und unseren Planeten leben zu lassen. Ich glaube was uns von der Gesellschaft lange Jahre antrainiert wurde, ist oft nicht ganz einfach zu durchschauen. Aber wenn man unser Konsumverhalten tatsächlich hinterfragt und in Frage stellt, setzt ein Umdenken ein. Es ist toll, dass das immer mehr Menschen tun.
    Man muss deswegen ja nicht hinter dem Mond leben oder wie vor 50 Jahren.
    Ich finde deinen Blog großartig. Vielen Dank für die vielen inpirierenden Artikel!
    Liebe Grüße
    Heike

  • #2

    Alexandra (Freitag, 07 Juni 2019 06:28)

    Liebe Heike,

    vielen lieben Dank für deinen Kommentar und dein Lob. Das freut mich sehr. Ich hoffe auch, dass ein Umdenken stattfindet und immer mehr Menschen über ihren Lebensstil nachdenken. Vor einigen Jahren habe ich auch vieles noch nicht erkannt. Ich hoffe einfach, dass die Informationen etwas bewegen und es Schritt für Schritt vorangeht :-).

    Liebe Grüße,
    Alexandra, Hof Eulengrund